Die deutschen Gesundheitsausgaben steigen dramatisch an - in den letzten vier Jahrzehnten haben sie sich real vervierfacht. Da unsere Gesellschaft altert, wird sich dieser Trend in Zukunft noch beschleunigen. In der Bevölkerung gibt es heftigen Widerstand gegen Leistungseinschränkungen, aber die Krankenversicherungsbeiträge werden bereits jetzt als zu hoch wahrgenommen. Vor diesem Hintergrund wird Gesundheitstechnologiebewertung (auch Health Technology Assessment oder HTA), also die systematische Bewertung von Kosten und Nutzen einer medizinischen Leistung, als eine objektive und wissenschaftliche Antwort auf dieses Dilemma dargestellt. Unabhängige Institutionen wie das IQWiG, so behaupten Befürworter, könnten objektiv bewerten, welche Medikamente aus öffentlichen Mitteln finanziert werden sollen, und welche aufgrund hoher Kosten und geringem Nutzen für den Patienten abgelehnt werden können. Dadurch könnten, so wird behauptet, überflüssige Ausgaben eingespart werden, ohne die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens zu schmälern.
Die zunehmende Verwendung von HTA wirft wichtige, aber selten beachtete Fragen auf. Ist HTA wirklich ein objektives und wissenschaftliches Instrument, oder dient es lediglich der Rationierung von Gesundheitsleistungen? Gibt es einen methodischen Goldstandard, der überall Anwendung findet, oder wird HTA überall unterschiedlich interpretiert, je nach politischen und institutionellen Gegebenheiten? Warum konnte sich dieses Phänomen bislang einer kritischen öffentlichen Debatte entziehen? Ist HTA vereinbar mit Wahlfreiheit für Patienten und therapeutischer Autonomie für Ärzte? Und welche Auswirkungen hat HTA auf den künftigen medizinischen Fortschritt?
Zum ersten mal trifft sich eine Gruppe führender Think Tanks, um diese Themen zu diskutieren.